Ob Gross oder Klein, ob Alt oder Jung, willkommen waren alle. Zwei, für die der jeweils letzte Samstag im Juni zu den Höhepunkten des Jahres zählt, sind der 85-jährige Hanspeter Steidle und der drei Jahre jüngere Ernst Naef. Beide kommen aus Ebnat-Kappel.
Ernst Naef sagte:
Der 82-Jährige ist seit 1960 Mitglied des SAC Toggenburg und wird die «Hötteträgete» so lange mitmachen, wie es die Gesundheit zulässt.
Das Mitmachen gehört für mich einfach dazu. Ich treffe mich hier mit alten Kameraden, mit denen ich früher Berg- und Skitouren unternommen habe, zudem ist es ein Dienst an der Allgemeinheit, das Material hier hochzutragen.

Trotz viel Schweiss finden immer mehr Gefallen an der «Hötteträgete». Am Samstag gab es eine Rekordbeteiligung.
Bild: Beat Lanzendorfer
Genugtuung, dabei gewesen zu sein
Für Hanspeter Steidle ist es ein «heiliger Tag», wenn er von der «Hötteträgete» spricht. Er sagt :Wenn es irgendwie geht, bin ich immer dabei.Mit seinen 85 Jahren hat er das Materialschleppen zwar der jüngeren Generation überlassen, den Tag auf 1999 Metern Höhe wolle er zusammen mit der SAC-Toggenburg-Familie aber trotzdem geniessen. Nebst dem Stolz ist es für beide eine Genugtuung, dabei gewesen zu sein. Eine Aussage, die auch von anderen Teilnehmenden zu hören war.

Hanspeter Steidle (links) und Ernst Naef, waren die ältesten Teilnehmer.
Bild: Beat Lanzendorfer
Melanie Kuratli ist seit einem Jahr Präsidentin
Dem SAC Toggenburg, der rund 1800 Mitglieder zählt, steht seit letztem Jahr die 40-jährige Melanie Kuratli vor. Sie hat das Präsidentenamt von Hanspeter Kalt übernommen. Im Gespräch sagte sie:Wenn ich irgendwo unterwegs bin und erzähle, dass ich vom Toggenburg komme, erinnern sich viele an die ‹Hötteträgete›.Durch die grosse Medienpräsenz ist das kollektive Tragen mittlerweile schweizweit bekannt. Später sagte Kuratli in ihrer Ansprache: «Ich bin glücklich, dass ich heute endlich einmal vor euch stehen darf, in den vergangenen Monaten konnte ich euch leider nur schriftlich informieren.» Da ist was dran, wegen Corona konnte die «Hötteträgete» zweimal nicht stattfinden, ebenso die letztjährige Hauptversammlung.

SAC-Präsidentin Melanie Kuratli und Hüttenwart Hans Egli.
Bild: Beat Lanzendorfer
Mit Autos oder Kleinbussen zur Alp Tesel befördert
Hüttenwart Hans Egli organisierte den Tag mit seinem Team generalstabsmässig. Am Vortag wurde das Holz ab Alp Tesel mit dem «Materialbähnli» zur Chreialp befördert. Am Tag selber wurde um 6 Uhr auf den Startknopf der Bahn gedrückt, damit das Material bereit war, wenn die Träger eintrafen. Diese besammelten sich um 5.45 in Wildhaus, wurden mit Autos oder Kleinbussen zur Alp Tesel befördert, um dann den knapp einstündigen Fussmarsch zur Chreialp auf sich zu nehmen. Andere gingen den umgekehrten Weg, wenn sie bereits die Nacht in der Zwinglipasshütte verbrachten.
Zwischendurch blieb während einer Pause Zeit zur Stärkung mit Tee oder Bouillon.
Bild: Beat Lanzendorfer
Der Hüttenwart ist ein Wetterprophet
Der Hüttenwart scheint auch ein Wetterprophet zu sein. Er sagte mit einem Augenzwinkern: «Das jetzige Hüttenteam organisierte den Anlass zum elften Mal, einzig im Jahr 2014 war einmal schlechtes Wetter, da konnte ich aber nicht dabei sein.» Für den Samstag hatte er pünktlich die Sonne bestellt, nachdem er zu Beginn der Woche noch gezittert und schlecht geschlafen habe. Egli weiss auch zu berichten, dass die «Hötteträgete» nebst anderen Faktoren zur guten CO2-Bilanz der Zwinglipasshütte beitrage.
Das von den älteren SAC-Mitgliedern vorbereitete Holz musste ab der Chreialp zur Zwinglipasshütte hochgetragen werden.
Bild: Beat Lanzendorfer