Kriminalstatistik: Mehr Vergewaltigungen, Pornografie-Fälle und Cyberdelikte | W&O

Region 24.03.2025

Kriminalstatistik: Mehr Vergewaltigungen, Pornografie-Fälle und Cyberdelikte

Im Kanton St.Gallen ist die Kriminalität letztes Jahr insgesamt um zwei Prozent gestiegen. Dies zeigt sich in der polizeilichen Kriminalstatistik.

Von kapo/red
aktualisiert am 24.03.2025
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Die polizeiliche Kriminalstatistik des Kantons St.Gallen für das Jahr 2024 liegt vor. Die Kriminalität sei gesamthaft um zwei Prozent gestiegen, wobei die Anzahl der Delikte im Bereich des Strafgesetzbuches um neun Prozent zugenommen haben, schreibt die Kantonspolizei in einer Medienmitteilung. Im Vordergrund stünden dabei die Vermögensdelikte, insbesondere Cyberbetrugsfälle, sowie schwere Gewalt- und Sexualdelikte.

Die Aufklärungsquote sei gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken. Sämtliche vollendeten und versuchten Tötungsdelikte seien aus polizeilicher Sicht geklärt. Die Kantonspolizei sehe sich seit Jahren mit einer stark ansteigenden Anzahl von Cyberdelikten konfrontiert. Der Handlungsbedarf wurde erkannt, konkrete Massnahmen seien etabliert worden.

Die wichtigsten Erkenntnisse können wie folgt zusammengefasst werden:

  • Die Kriminalität im Kanton St.Gallen ist 2024 gesamthaft um zwei Prozent auf Total 30’214 Delikte gestiegen. Die Anzahl der Delikte gegen das Strafgesetzbuch hat dabei um neun Prozent zugenommen. Der Anstieg der Kriminalität betrifft sämtliche Polizeiregionen, mit Ausnahme der Polizeiregion Linthgebiet-Toggenburg, wo die Kriminalität unverändert blieb.
  • Im Vordergrund des Anstiegs stehen die Vermögensdelikte und dort insbesondere die Cyberbetrugsfälle sowie die schweren Gewalt- und Sexualdelikte.
  • Die Aufklärungsquote über sämtliche 30’214 Delikte liegt bei rund 53 Prozent und damit knapp vier Prozent tiefer als im Vorjahr.
  • Sämtliche vollendeten und versuchten Tötungsdelikte des Jahres 2024 konnten aus polizeilicher Sicht aufgeklärt werden. Die vollendeten Tötungsdelikte sind dabei in ihrer Anzahl von zwei auf vier gestiegen. Bei den versuchten Tötungsdelikten ist ein Anstieg von 11 auf 18 zu verzeichnen. Dabei sind allerdings gleich fünf Delikte auf einen einzelnen Fall in St.Gallen vom 11. Juli 2024 zurückzuführen, wo der Beschuldigte mit einer Machete mehrere Opfer angriff.
  • Die Strafanzeigen wegen Sexualdelikten haben von 414 auf 495 Fälle oder um rund 20 Prozent zugenommen, nachdem sie im Vorjahr stark gesunken waren. Angestiegen sind vor allem die Vergewaltigungen sowie die Pornografie-Fälle.
  • Die Gesamtzahl an Diebstählen (ohne Fahrzeugdiebstähle) hat um sieben Prozent zugenommen. Fahrzeugdiebstähle haben um vier Prozent zugenommen. Wobei im vergangenen Jahr die Einbruchdiebstähle um 14 Prozent zugenommen haben, während die Fälle von Einschleichdiebstählen um drei Prozent gesunken sind. Damit war die Entwicklung der beiden Delikte-Kategorien im Jahr 2024 genau gegenläufig zu derjenigen im Vorjahr. Die Aufklärungsquote konnte bei beiden Delikten auf 31 Prozent der Fälle gesteigert werden.
  • Nach einem Rückgang im vorigen Jahr um 28 Prozent haben die registrierten Straftaten bei häuslicher Gewalt im vergangenen Jahr um 14 Prozent zugenommen.
  • Abgenommen haben Raubüberfälle um sechs Prozent, was noch 99 Fällen entspricht. Dabei ist insbesondere die Zahl der schweren Raubüberfälle markant gesunken. Auffällig ist allerdings der Anteil von jugendlichen Beschuldigten. Mehr als die Hälfte aller geklärten Raubdelikte wurde von Jugendlichen begangen.
  • Die Zahl der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz ist um 30 Prozent auf 2035 Straftaten gesunken. Grund dafür sind rechtliche Veränderungen und eine Verschärfung der Anforderungen in der Ermittlungsarbeit.
  • Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der angezeigten Cyber-Straftaten massiv an von 2575 auf 4460 Delikte, was einer Zunahme von 73 Prozent entspricht. Den grössten Teil der Cyber-Vermögensdelikte machen die diversen Arten von Betrug aus, welche im vergangenen Jahr um 88 Prozent zugenommen haben.

 

Leichte Zunahme bei durch ausländische Bevölkerung begangenen Straftaten

Der Ausländeranteil der beschuldigten Personen sämtlicher Straftaten liege bei knapp 59 Prozent, gleich wie im Bereich der Widerhandlungen gegen das Strafgesetzbuch. Das sei eine leichte Erhöhung gegenüber dem Vorjahr.

Der überwiegende Anteil betreffe dabei die ausländische Bevölkerung mit ständigem Wohnsitz in der Schweiz. Eine hohe Ausländerbeteiligung falle vor allem bei Delikten gegen Leib und Leben auf (knapp 67 Prozent bei den Tötungsdelikten und 50 Prozent oder mehr bei den schweren und einfachen Körperverletzungen sowie den Raubüberfällen), wobei auch hier die ständig in der Schweiz wohnhafte ausländische Bevölkerung den grössten Anteil der Täterschaft bilde.

Auch bei den Diebstählen ist die Beteiligung ausländischer Straftäterschaft hoch: Fast drei Viertel aller Diebstähle werde von einer ausländischen Täterschaft begangen. Mengenmässig stünden dabei die Ladendiebstähle im Vordergrund, gefolgt von Einbruch- und Einschleichdiebstählen. Dabei stehen Asylbewerbende im Vordergrund.

Die Zahl der Widerhandlungen gegen das Ausländer- und Integrationsgesetz AIG sei hingegen um 10 Prozent zurück gegangen. Der grösste Anteil von Straftaten entfalle dabei auf den Tatbestand rechtswidrige Ein- /Ausreise und Aufenthalt. Diese Straftaten hätten im vergangenen Jahr geringfügig zugenommen um 3 Prozent. Abgenommen hätten hingegen die Förderung der rechtswidrigen Ein-/Ausreise oder des rechtswidrigen Aufenthalts sowie die illegale Erwerbstätigkeit / Beschäftigung.