Leserbrief: «Schlachthöfe und christliche Werte», Ausgabe vom 9. Dezember
In ihrem Leserbrief kritisiert Frau Barich die Aktivitäten um die Erstellung eines regionalen Schlachthofs. Wir leben in einem freien Land, dies ermöglicht uns auch unsere Ernährung nach unserem Geschmack und Gutdünken zu wählen. Wenn sich Frau Barich bio-vegan ernährt, dann ist das ihre persönliche Entscheidung. Dass sich ein Grossteil unserer Bevölkerung nach wie vor ausgewogen ernährt und nicht auf tierische Produkte verzichten will, ist auch eine Tatsache.
Völlig aus der Luft gegriffen sind hingegen ihre Anbauempfehlungen für unsere regionale Landwirtschaft. Wir Landwirte produzieren die Lebensmittel, die nachgefragt und auf unseren Betrieben auch angebaut oder gehalten werden können. In der Rheinebene befinden sich sehr gute Ackerböden, dort wird bereits heute sehr viel Gemüse angebaut. Zum Teil hat sich der Gemüseanbau bereits auch auf Böden, die nur bedingt geeignet sind, ausgedehnt. Je näher man an die Hanglagen kommt, desto schwieriger sind die Bodenverhältnisse für den Ackerbau . Die schweren und oft vernässten Böden lassen keinen nachhaltigen Ackerbau zu. Hier ist es besonders aus Sicht des Bodenschutzes und der Bodenfruchtbarkeit sinnvoll, Tiere zu halten, die das anfallende Rauhfutter in hochwertige Nahrungsmittel (Milch und Fleisch) umwandeln.
Das Berggebiet und unsere schönen Alpen würden ohne Nutztierhaltung verganden und verbuschen, mit massiven Auswirkungen auf unser Naherholungsgebiet, aber auch verbunden mit Umweltschäden durch Erosion und Hangrutsche. Die Tierhaltung in diesen nicht ackerfähigen Gebieten ist für unsere Region lebenswichtig. Sie leistet zudem einen sehr grossen Anteil zur Ernährungssicherheit in unserem Land. Entgegen ihren Aussagen ist eine standortgerechte Weidetierhaltung absolut klimafreundlich, und dies besonders wenn die Verarbeitung und der Verkauf in der Region erfolgen. Der Fleischkonsum in der Schweiz ist, auch aufgrund der Bevölkerungszunahme, immer noch leicht steigend. Die Planung eines regionalen Schlachthofs ist also absolut zukunftsorientiert und entspricht dem Nachhaltigkeitstrend «in der Region produziert, verarbeitet, und in der Region konsumiert.»
Ein regionaler Schlachthof wird von bäuerlichen Familienbetrieben beliefert und genutzt und kann nicht mit Grossmästereien und industriellen Schlachthöfen verglichen werden. Daher kann ich nicht verstehen, was man daran so schlecht findet. Wenn man auch eine andere Ideologie lebt und vertritt, so sollte man den vorhandenen Marktverhältnissen und den gegebenen Produktionsbedingungen offen und ehrlich gegenüberstehen.
Mathias Eggenberger, Erlenhof, 9472 Grabs